Zusammenfassung des Verkehrsgutachtens für die Abschnitte 8/9 und 6 der A 98

Die Ergebnisse des Verkehrsgutachten für die Abschnitte 8/9 und 6 der A 98 liegen vor

Für die weiteren Planungen der A98 in den Abschnitten 8/9 sowie 6 wurde ein unabhängiges Verkehrsgutachten von einem externen Gutachterbüro erstellt.

Wesentliche Erkenntnis der Untersuchung ist, dass ein vollwertiger Ausbau der A 98 als Autobahn erforderlich ist, um die prognostizierten Verkehre abzuwickeln. Ein reduzierter Ausbau würde zu Stausituationen auf der A 98 führen und das nachgeordnete Straßennetz stärker belasten. Insgesamt entsteht bei einer 2+2-Lösung nicht mehr Verkehr, vielmehr nimmt die A 98 mehr Verkehr auf, der bei einer reduzierten 2+1-Lösungen auf anderen, parallelen Strecken verbleiben würde.

In diesem Beitrag sind die Ergebnisse des Gutachtens zusammengefasst und die Schritte der Erarbeitung erklärt.

Die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens wurden auch in einer digitalen Informationsveranstaltung am 14. Juli 2021 vorgestellt. Die Präsentation, die im Rahmen der Veranstaltung gezeigt und kommentiert wurde, können Sie in der Mediathek der Projekt-Website ansehen oder mit dem vertonten Vortrag auf YouTube.

 

Für das Gutachten wurde als erster Schritt die heutige Verkehrssituation in einem Verkehrsmodell abgebildet. Das erfolgte auf Basis von umfassenden Verkehrszählungen. Auf Basis dieses Modells wurde dann eine Prognose für das Jahr 2040 erstellt.

Durch die bis 2040 prognostizierten Zunahmen in der Verkehrsnachfrage werden die Strecken im Untersuchungsraum ohne den Bau der A 98 zum Teil spürbar stärker belastet. Auf deutscher Seite konzentrieren sich diese Belastungen im Wesentlichen auf die B 34, während auf schweizerischer Seite insgesamt stärkere Zunahmen zu verzeichnen sind, die sich vor allem auf das Autobahnnetz konzentrieren.

In vergangenen Untersuchungen ging man zunächst noch von einem moderateren Wachstum aus. Den Prognosen des Statistischen Landesamt lag damals zum Teil sogar ein Bevölkerungsrückgang zugrunde. Die aktuellen Zähldaten zeigen jedoch, dass schon heute an vielen Stellen die damals für 2030 prognostizierten Verkehrsmengen überschritten sind und von den zuständigen Stellen in der Schweiz und Deutschland weiter mit Zunahmen im Kfz-Verkehr gerechnet wird.

Im Ergebnis führt dies dazu, dass in den Abschnitten 8 und 9 der A 98 nunmehr ca. 35.000 bis 42.000 Kfz pro Tag prognostiziert werden. Dementsprechend ist ein Ausbau mit einem reduzierten 2+1-Querschnitt nicht leistungsfähig möglich. Die A 98 ist als vollwertige Autobahn mit zwei Richtungsfahrbahnen auszubauen.

 

Wie wurde das Gutachten erstellt?

Grundlage für die vorliegende Verkehrsuntersuchung ist das Verkehrsmodell, das im Rahmen der Verkehrsstudie „Grenzregion Hochrhein-Bodensee“ im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg erstellt und bearbeitet wurde. Die Modellbasis wurde für die verkehrlichen Untersuchungen in den Abschnitten 6 sowie 8 und 9 technisch und inhaltlich übernommen und enthält die wesentlichen großräumigen Verkehrsbeziehungen insbesondere mit Fokus auf die grenzüberschreitenden Verkehre.

Folgende Schritte wurden in den verkehrlichen Untersuchungen durchgeführt:

  • Beschaffung und Sammlung von Grundlagendaten (Zähldaten, und weitere statistische Daten)
  • Abbildung der heutigen Verkehrssituation im Verkehrsmodell
  • Definition der relevanten Grundlagendaten für die Prognose im Jahr 2040 (allgemeine Prognosen zur Verkehrsentwicklung, relevante Gebietsentwicklungen und bis zum Jahr 2040 realisierte Infrastrukturmaßnahmen)
  • Abbildung der künftigen Verkehrssituation im Jahr 2040 ohne A 98, als maßgebender Vergleichsfall. Dieser sogenannte Prognosenullfall stellt im Allgemeinen eine Situation dar, wie sie eintreten würde, wenn die geplante Maßnahme (hier der Bau der A 98) im Jahr 2040 nicht realisiert wäre
  • Entwicklung und Untersuchung von verschiedenen Planfällen mit dem Ziel, die Wirkung der A 98 in Varianten zu betrachten und die geplanten Verkehrsanlagen leistungsfähig zu dimensionieren

Neben der Untersuchung der Leistungsfähigkeit wurden die Varianten vergleichend unter folgenden Aspekten ausgewertet:

  • Verkehrsbelastungen (Kfz/24h, Pkw/24h, Lkw/24h)
  • Herkunft der Verkehre auf der A 98 (Quelle und Ziel)
  • Reisezeit- und Geschwindigkeitsauswertungen für die Situation mit und ohne A 98
  • Fahrleistung (Wie viele km werden durch Kraftfahrzeuge im Untersuchungsraum zurückgelegt?) und Verkehrsbeteiligungsdauer (Wie lange sind Kraftfahrzeuge am Tag unterwegs?)

 

Wie wurden die Zählungen durchgeführt?

Anhand von Zählungen an maßgebenden Strecken und Knotenpunkten wurde die vorhandene Modellgrundlage im Untersuchungsraum für die spezifische Aufgabenstellung verfeinert und kalibriert. Neben dem Tagesverkehrsaufkommen können durch detaillierte Zählungen Erkenntnisse über die tageszeitliche Verteilung des Verkehrs bzw. die Spitzenstundenbelastungen und -anteile gewonnen werden. Diese Erkenntnisse sind für die durchzuführenden Nachweise der Verkehrsqualität und die umweltrelevanten Untersuchungen erforderlich.

An zwei repräsentativen Werktagen (am 19.09. und 24.10.2019) wurden die vorhandenen Verkehrsmengen an 32 Knotenpunkten zwischen Schwörstadt und Lauchringen über 24 Stunden erfasst. Erfasst wurden insbesondere alle relevanten Knotenpunkte im Zuge der B 34 bzw. deren Umfeld.

Darüber hinaus bestehen dauerhaft installierte Zählstellen an denen die Verkehrsmengen dauerhaft und regelmäßig erfasst werden.
Neben den eigenen speziell für das Projekt durchgeführten Zählungen wurden auch die Daten von alle vorhandenen und relevanten Dauerzählstellen und das Verkehrsmonitoring mit einbezogen.

 

Welche Planfälle wurden untersucht?

Die Planfalluntersuchungen der A 98 erfolgten im Rahmen der Verkehrsuntersuchung anhand von 16 Planfällen. Mit den Untersuchungen sollte ermittelt werden, inwiefern die verschiedenen Varianten eines Neubaus der A 98 den Verkehr im Untersuchungsraum beeinflussen. Diese sind in zehn Hauptplanfälle und sechs Vergleichsplanfälle unterteilt und wurden nach folgenden Merkmalen differenziert:

  • Berg- oder Taltrasse
  • Ausbau der A 98 mit 2+1-Fahrstreifen oder 2+2-Fahrstreifen
  • Bau der Anschlussstellen Hauenstein, Albbruck, Waldshut, Tiengen-West bzw. entlang der B 34 in verschiedenen Kombinationen
  • Zusätzliche Rheinbrücken im Bereich Bad Säckingen / Sisseln und zwischen Waldshut und Koblenz
  • Zusätzliche modale Verkehrsverlagerungen zum Umweltverbund mit verstärkter Nutzung des ÖPNV und des Fahrrads über die Prognosen hinaus

 

Bilanz des Verkehrsgutachtens

Wesentliche Erkenntnis der Untersuchung ist, dass ein vollwertiger Ausbau der A 98 als Autobahn erforderlich ist, um die prognostizierten Verkehre abzuwickeln. Ein reduzierter Ausbau würde zu Stausituationen auf der A 98 führen und das nachgeordnete Straßennetz stärker belasten. Insgesamt entsteht bei einer 2+2-Lösung nicht mehr Verkehr, vielmehr nimmt die A 98 mehr Verkehr auf, der bei einer reduzierten 2+1-Lösungen auf anderen, parallelen Strecken verbleiben würde.

Die A 98 trägt vor allem aber auch dazu bei, das nachgeordnete Straßennetz vom Lkw-Verkehr zu entlasten. Es sinkt also z.B. auf der B 34 nicht nur die absolute Verkehrsmenge, sondern es wird auch der Schwerverkehrsanteil mehr als halbiert, sodass der Lkw-Verkehr überproportional sinkt.

Etwa 75 bis 80 Prozent des Verkehrs kommt im Übrigen aus der Region bzw. Deutschland. Dieser nutzt heute auch Schweizer Straßen, um zum Ziel zu gelangen. Durch den Bau der A 98 wird ein Teil des Verkehrs nach Deutschland rückverlagert. 20 bis 25 Prozent der Fahrzeuge, die künftig die A 98 befahren, kommen tatsächlich aus der Schweiz oder fahren in die Schweiz.